Wie sagt man´s richtig „gewaltfrei“?
Am besten gar nicht…kleiner Scherz, aber nur halb scherzhaft, leider.
Ich hatte in letzter Zeit zwei Begegnungen, in denen es darum ging, wie man „richtig gewaltfrei“ reagiert. Konkret ging es um die Frage, ob man, wenn jemand wütend ist, mit der Frage „Bist du wütend?“ oder mit der Feststellung „Du bist wütend!“ „richtig gewaltfrei“ reagiert. Dieses Thema wurde/wird wohl ernsthaft auch unter „GFK-Erfahrenen“ (dito GFK-Trainern) diskutiert.
Meine spontane, aufgrund der Thematik leicht frustrierte Antwort darauf war immer: „Das ist doch sch…egal!“ (sorry für meine gewalttätige Ausdrucksweiswe ;o). Ausführlicher ausgedrückt: Die Frage kann man so nicht beantworten, es kommt auf den Kontext an. Und grundsätzliche macht die Frage für mich keinen Sinn, weil für die Entscheidung“ gewaltfrei oder nicht?“ die HALTUNG hinter den Worten entscheidend ist – nicht die Worte!
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Mein Blog ist nicht mehr ganz so übersichtlich, daher hier mal eine Aufstellung von häufig gelesenen Artikeln
Selbständigkeit als Mediator, Trainer und Berater
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Persönlichkeitsentwicklung und Gewaltfreie Kommunikation nach Dr. Marshall Rosenberg
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Anwendung integraler Theorie für GFK / Mediation
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Ist die Gewaltfreie Kommunikation systemisch?
Diese Frage wurde mir ein paar Mal gestellt, hauptsächlich von Interessenten an einer Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation. Auf meine Nachfrage, was sie denn unter “systemisch” verstünden, stellte sich dann oft heraus, dass ihnen unklar ist, was der Begriff meint bzw. dass ihre und meinen Definition von “systemisch” nicht so ganz übereinstimmen.
Mir scheint der Begriff “Systemisch” ist auf dem Beratungs- und Ausbildungsmarkt seit ein paar Jahren “in”. Aus einer normalen Mediationsausbildung wird dann eine “systemische Ausbildung in Mediation”, um sich von anderen Angeboten abzuheben. Ob das inhaltlich immer gegeben und sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln…
MehrMitgefühl als verbindende Kraft – THE CHARTER FOR COMPASSION
Die Charter for Compassion entstand auf Initiative der TED-Preisgewinnerin und renommierten Religionswisssenschaftlerin Karen Armstrong.
Hier die Preis-Rede von Karen Armstrong bei TED über die zentrale Rolle von Mitgefühl in allen Weltreligionen.
Eine wesentliche Basis für das menschliche Mitgefühl ist seit einigen Jahren auch wissenschaftlich nachgewiesen, die sog. Spiegelneuronen. Der Freiburger Professors Joachim Bauer weist in seinen Büchern auf die zentrale Rolle von Beziehungen für die Ausbildung von Mitgefühl (Empathie) hin (“Warum ich fühle was du fühlst?” und “Das Gedächtnis des Körpers”).
Aber die organische Basis der Spiegelneuronen reicht nicht aus, um Mitgefühl zu einer alle Menschen verbindenden Kraft zu machen. Ohne eine bewusste spirituelle Ausrichtung bleibt das “Mitgefühl” meiner Spiegelneuronen auf meine direkte Umwelt beschränkt, da ich nur diese durch meine Sinnesorgane vermittelt bekomme.
Die zentrale Rolle der Religionen besteht laut Karen Amrstrong darin, das menschliche Mitgefühl auszudehnen auf alle Menschen – eben nicht nur "Liebe deinen Nächsten”, sondern “Liebe deine Feinde”, was bspw. die zentrale Aussage der Bergpredigt ist.
Anders gesagt, in der Sprache der integralen Theorie, es geht darum, das menschliche Mitgefühl auszudehnen vom “egozentrischen Mitgefühl” (Ich), über das “ethnozentrische Mitgefühl” (Mitgefühl mit Menschen meiner Herkunft, Kultur, Glauben etc.) hin zum universalen Mitgefühl (Mitgefühl mit allen Menschen, siehe dazu auch “Wie ein integrales Konfliktverständnis zu Frieden und Verständigung beitragen kann – Teil II”.)
Ich denke, dass wir Menschen eine tiefe, intuitive Verbindung zu Menschen spüren. Wir fühlen uns wirklich “Eins mit allen Wesen” – solange wir nicht darüber nachdenken. Sobald ich anfange, mich oder andere Menschen zu bewerten, trenne ich diese Verbindung. Mir passiert das andauernd und die gewaltfreie Kommunikation ist für mich eine ständige spirituelle Übung, um diese Verbindung wieder herzustellen.
MehrMitgefühl ist Eigennutz
“Mitgefühl ist Eigennutz”, so der Titel des spannenden Interviews, das der Wissenschaftsjournalist Stefan Klein mit dem Neurophysiologen Vittorio Gallese, dem Entdecker der Spiegelneuronen, führte. “Sag ich doch”, dachte ich mir sofort – denn in den Seminaren zur Gewaltfreien Kommunikation betone ich oft, dass wir „alles was wir tun, nur für uns selbst, für die Erfüllung unserer eigenen Bedürfnisse tun” – eben auch einem Menschen empathisch zuhören oder mitfühlend reagieren.
Der Artikel betont auch, dass es einen Unterschied von Empathie (Einfühlung) und Mitgefühl (Mitleid) gibt:
Tatsächlich können Sie Empathie und Mitgefühl völlig voneinander entkoppeln. Denken Sie nur an einen Sadisten, der Lust erlebt, gerade weil er sich in das Leid seines Opfers einfühlen kann. (Vittorio Galles)
Einfühlung ist also nicht per se “gut”. Man weiß, dass Kriminelle oft ein hohes Einfühlungsvermögen haben, sie können sich perfekt in das Innenleben ihrer Opfer einfühlen – und nutzen dies dann brutal aus indem sie ihre Opfer zur Kooperation überreden (ein Buch, das ich in diesem Zusammenhang gern empfehle, auch wenn es etwas “reißerisch” ist, ist “Mut zur Angst” von Gavin de Becker.)
Mitgefühl, also das Nachempfinden von Leid als Leid und der daraus entstehende soziale Handlungsimpuls, um das Leid zu vermindern, folgt nicht zwingend aus Empathie. Warum und wieso Mitgefühl entsteht, und wie stark, ist wissenschaftlich noch ungeklärt.
Und auch hier ist es ja nicht so, dass Mitgefühl immer “gut” oder auch nur hilfreich ist – nicht auszudenken, wenn mein Zahnarzt (mit dem ich übrigens sehr zufrieden bin, daher der Link zu seiner Praxis in Kaufering bzw. Waal) mir nicht mehr helfen könnte, weil er beim Anblick meines schmerzverzerrten Gesichts selbst Zahnschmerzen bekäme? Menschen können (und müssen wahrscheinlich) lernen, ihr Mitgefühl zu steuern – natürlich auch wieder im Eigeninteresse, mein Zahnarzt möchte ja auch Geld verdienen
)
Amoklauf in Winnenden – vermeidbare Eskalation von Gewalt?
Der Amoklauf des jugendlichen Schülers in Winnenden hinterlässt 16 Tote, tiefe Trauer bei den Angehörigen und Fassungslosigkeit bei uns allen. Niemand kann für den Schmerz die passenden Worte des Trosts finden – wir möchten an dieser Stelle unser tiefes Mitgefühl ausdrücken.
Eine Amoklauf hinterlässt die immer gleichen Fragen:
Was bringt jemand zu einer solchen Tat?
Wie kann man eine solche Tat verhindern?
Die erste Frage ist nicht mehr zu beantworten, der Täter ist selbst zum Opfer geworden.
Empathie-Lücke bei Führungskräften
Mit dem Phänomen der Empathie-Lücke habe ich mich in “Die Empathie-Lücke schließen” befasst. Aus eigener Erfahrung als jemand, der häufig Gruppen anleitet und führt, kann ich sagen, dass das Thema für die Entwicklung meiner Führungsfähigkeit enorm wichtig war und ist. Empathie-Lücken bei Führungskräften haben einen gravierenden Einfluss auf die Qualität der Teamarbeit, das soziale Klima und die Motivation der Mitarbeiter.
- Eine Empathie-Lücke wird oft mit Führungsstärke verwechselt.
Eine Empathie-Lücke hat zur Folge, dass man die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen unzureichend wahrnimmt. Dies führt zu einem “klar und entschieden” wirkendem Verhalten, dass tatsächlich jedoch schlicht egoistisch ist und auf Kosten anderer Menschen geht. Ein derartiges autokratisches Führungsverhalten ist in Gruppen und Teams, die langfristig erfolgreich zusammenarbeiten sollen fehlt am Platz. - Führungskräfte mit einer Empathie-Lücke scheinen oft erfolgreich
Führungskräfte mit einer Empathie-Lücke haben wenig Bedenken und Hemmnisse, ihre eigenen Interessen auf Kosten anderer durchzusetzen. Dies ist oft schneller und effizienter ist als eine Gruppen-Entscheidung, geht allerdings auf Kosten des sozialen Klimas. Hohe Mitarbeiterfluktuation und Krankenstände, schwelende Konflikte und Mobbing sind typische Symptome für derartige Führungsweisen.
Die Empathie-Lücke schließen – Yes you can :o)
Empathie, die Fähigkeit zum “Mitempfinden”, ist die Grundlage und der soziale Klebstoff für den Zusammenhalt der menschlichen Gemeinschaft. Mit dem Begriff “Empathie-Lücke” hat US-Präsident Barack Obama dem Thema neue Aufmerksamkeit verschafft (s. Video). Obama bezeichnet Empathie als den wichtigsten Wert einer Gesellschaft.
Was heißt Empathie-Lücke?
Empathie meint die Fähigkeit, sich innerlich “in die Schuhe eines anderen stellen zu können” und so dessen Gefühle nachempfinden zu können. Empathie-Lücke bezeichnet das Fehlen bzw. eine geringe Ausprägung dieser Fähigkeit.
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