Wie sagt man´s richtig „gewaltfrei“?
Am besten gar nicht…kleiner Scherz, aber nur halb scherzhaft, leider.
Ich hatte in letzter Zeit zwei Begegnungen, in denen es darum ging, wie man „richtig gewaltfrei“ reagiert. Konkret ging es um die Frage, ob man, wenn jemand wütend ist, mit der Frage „Bist du wütend?“ oder mit der Feststellung „Du bist wütend!“ „richtig gewaltfrei“ reagiert. Dieses Thema wurde/wird wohl ernsthaft auch unter „GFK-Erfahrenen“ (dito GFK-Trainern) diskutiert.
Meine spontane, aufgrund der Thematik leicht frustrierte Antwort darauf war immer: „Das ist doch sch…egal!“ (sorry für meine gewalttätige Ausdrucksweiswe ;o). Ausführlicher ausgedrückt: Die Frage kann man so nicht beantworten, es kommt auf den Kontext an. Und grundsätzliche macht die Frage für mich keinen Sinn, weil für die Entscheidung“ gewaltfrei oder nicht?“ die HALTUNG hinter den Worten entscheidend ist – nicht die Worte!
MehrMeine Bedürfnisse sind zweitranging…
Die Schönheit der Bedürfnisse – die Arbeit mit Glaubenssätzen in der Gewaltfreien Kommunikation
In diesem kurzen Video kann man einen Einblick in die Arbeit der Gewaltfreien Kommunikation mit Glaubenssätzen gewinnen. Es ist schön zu beobachten, wie die empathische Begleitung (durch Robert Gonzales) der Klientin immer tiefere Einblicke vermittelt, woher ihre einschränkende Überzeugungen kommen, wie sie sich durch die bewusste Betrachtung davon distanzieren kann und die Bedürfnisse dahinter wieder spüren kann. Meiner Erfahrung nach ist die enschränkende Wirkung von Glaubenssätzen dadurch nicht sofort verschwunden, aber wenn diese bewusste Betrachtung ein paar Mal geschieht, lockert sich das behindernde Verhaltensmuster mit der Zeit und es entsteht eine neue, innere Freiheit und die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse besser zu spüren und zu erfüllen. Diese spürbare, lebendige Qualität nennt Robert Gonzales die „Schönheit der Bedürfnisse“.
MehrFragen und Antworten zur Gewaltfreien Kommunikation
Was bedeutet für dich Gewaltfreie Kommunikation?
Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation zum einen eine „Selbst-Erziehungsmethode“, um mich selbst bei meiner Entwicklung als Mensch zu unterstützen.
Nachdem ich Marshall Rosenberg das erste Mal auf einem Einführungsseminar hörte, das war im Jahr 1999, fühlte ich mich ungefähr so, wie wenn ich innerlich eine 90 Grad-Wäsche durchgemacht hätte. Danach hatte sich mein Weltbild vom Kopf auf die Füße gestellt. Mir wurde damals langsam (sehr langsam) bewusst, dass die Art und Weise, wie ich denke und mit mir und anderen umgehe, mir nicht gut tut.
Auf der anderen Seite steht für mich die GFK für ein spirituelles Welt- und Menschenbild – was Riane Eisler mit „Partnerschaftlichem Leben“ beschrieben hat, trifft es ganz gut – und sie bietet eine Methode an, dieses Menschenbild praktisch umzusetzen und zu leben.
MehrWie lernt man Gewaltfreie Kommunikation?
Um diese Frage zu beantworten ist es erst mal wichtig, zu klären, was “Gewaltfreie Kommunikation” eigentlich ausmacht – und was nicht.
Um mit Letzterem anzufangen und ein paar häufigen Missverständnissen zu begegnen:
Gewaltfreie Kommunikation…
… heißt nicht, nur noch in Beobachtungen, Gefühlen, Bedürfnissen und Bitten zu reden (“4 Schritte”).
… heißt nicht, aufzuhören zu denken, zu analysieren, zu bewerten etc.
… heißt nicht, Gefühls- und Bedürfnislisten auswendig zu lernen.
.. heißt nicht, sich dauernd zu zensieren und keinen Satz länger als 40 Wörter zu sprechen.
… heißt nicht, seinen Mitmenschen andauernd empathisch zuzuhören.
… heißt nicht, dass es keine Regeln, Verbote, kein “richtig und falsch”, kein “besser und schlechter”, keine Moral und Ethik etc. mehr gibt.
Was heißt nun Gewaltfreie Kommunikation?
Mein Verständnis von Gewaltfreier Kommunikation habe ich in verschiedenen Artikeln beschrieben.
MehrDie „Geheimnisse gut funktionierender Arbeitsgruppen“
Die Kollegen von der „Umsetzungsberatung“ liefern mit dem Artikel Projektteam: Die Geheimnisse gut funktionierender Arbeitsgruppen eine gute Basis für Führungskräfte, die Sicherheit und Orientierung für ihre anspruchsvolle Aufgabe suchen. Wem der Artikel zu lang ist, für die Frage des „Arbeitsklimas“ reicht es im wesentlichen, wenn man die erste Kapitel-Überschrift verstanden hat und vor allem umsetzt (ich hoffe, das nehmen mir die Kollegen jetzt nicht übel – der Artikel ist wirklich lesenswert bis zum Schluss
)
Besagte Überschrift lautet:
Akzeptanz und Zugehörigkeit sind die Basis
Tja, das sagt sich einfach, aber wie stärkt man diese Basis? Hier ein paar Hinweise vor dem Hintergrund der „Gewaltfreien Kommunikation“, was man als Führungskraft wissen sollte und tun kann.
Mehr5 Wege die Gewaltfreie Kommunikation täglich zu praktizieren
1. Sei ehrlich(er) zu dir selbst
Nimm Dir Zeit, dir selbst zuzuhören. Welche Gedanken und Gefühle über dich und dein Leben möchten gehört werden? Welche Bedürfnisse sind damit verbunden, finden aber wenig Beachtung? Deine Gedanken und die damit verbundenen Gefühle sind ein Schlüssel zu deinen authentischen Bedürfnissen. Auch und gerade die Gedanken, die dir nicht gefallen, die dich, andere oder das Leben bewerten.
Denkst du, dein Chef ist ein Tyrann? Lass diesen Gedanken zu (was nicht unbedingt heißen muss, ihn auszusprechen!) und finde die unerfüllten Bedürfnisse dahinter – diese haben ein Recht anerkannt und gelebt zu werden. Sehnst du dich vielleicht nach Anerkennung? Nach Unterstützung? Vielleicht aber auch nach einem tiefen Sinn für deine Arbeit? Wer weiß – das kannst nur du rausfinden.
2. Sei ehrlich(er) zu anderen
Ich erlebe oft, dass Menschen, die die Gewaltfreie Kommunikation kennen lernen, sich danach kaum noch trauen, einen Satz auszusprechen ohne die Worte „Ich fühle…“, „Ich habe das Bedürfnis“ und „Wärst Du bereit…“ o.ä.
Mal ehrlich, das treibt einen doch in den Wahnsinn! ;o) Die Gewaltfreie Kommunikation möchte Menschen innerlich freier machen! Also bitte weniger (Selbst-)Zensur und mehr Mut zur (eigenen) Wahrheit und Echtheit!
Die ganze „Übersetzerei“ in „Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten“ wird schnell künstlich, unpersönlich und nervend. Wer mit etwas Übung den inneren (!) Kontakt zu seinen Bedürfnissen spürt, braucht weniger über die Wortwahl nachdenken und kann spontaner reagieren.
Führt das nicht zu mehr Konflikten, statt weniger? Sagen wir mal so: Es wird in den Beziehungen, die dir wichtig sind, die verdeckten und unterdrückten Konflikte auf den Tisch bringen und so die Chance für Wachstum und Heilung bieten. Dafür kann deine Ehrlichkeit der erste Schritt sein. Hat jemand behauptet, durch Gewaltfreie Kommunikation werde das Leben ruhiger? Ich sicher nicht ;o)
Organisationen haben keine Bedürfnisse
…. zumindest nicht in dem Sinne, wie ich Bedürfnisse in der Gewaltfreien Kommunikation verstehe. In Diskussionen über Fragen der Organisationsentwicklung sprechen wir manchmal davon, dass auch ein Unternehmen „Bedürfnisse“ wie z.B. Existenz, Sicherheit, Anerkennung etc. habe.
Es geht schnell von den Lippen bei Teams, Organisationen und Unternehmen oder gar bei ganzen Ländern mit der gleichen Selbstverständlichkeit von deren „Bedürfnissen“ zu sprechen wie bei individuellen Menschen. In einem allgemeinen Sinne halte ich dies auch für opportun, z.B. wenn wir sagen, eine Firma „möchte überleben“ und damit meinen, „alle Menschen, die in dieser Firma arbeiten, möchten (gut) leben“. Ich halte es jedoch für methodisch unsauber und vor allem für potentiell gefährlich, wenn wir glauben, Gruppen von Menschen, Organisationen oder gar Länder hätten im gleichen Sinne Bedürfnisse wie Individuen.
MehrWie ein integrales Konfliktverständnis zu Frieden und Verständigung beitragen kann – Teil II
In Integrales Konfliktverständnis Teil I habe ich am Beispiel „Jugendgewalt“ dargestellt wie eine integrale Sichtweise auf dieses komplexe Problem angewendet werden kann. Die Einbeziehung der vier Perspektiven „Individuell/Kollektiv“ und „Subjektiv/Objektiv“ (in der integralen Theorie auch Vier Quadranten genannt) hilft dabei, wesentliche Konflikt- und Lösungsaspekte zu berücksichtigen bzw. vermeidet es, Teilwahrheiten überzubewerten.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Integralen Theorie, und Thema dieses zweiten Teils, ist die Betrachtung von Wachstum und Entwicklung in einer gesunden, natürlichen Abfolge (Hierarchie der Entwicklungsstufen).
Menschen entwickeln sich…
Menschen entwickeln sich, individuell und kollektiv, innerlich und äußerlich (4 Quadranten). Aber, und das ist entscheidend, Menschen entwickeln sich anscheinend nicht beliebig, sondern es gibt so etwas wie grundlegende, stabile und universelle Wachstumsstrukturen. Zahlreiche ForscherInnen untersuchten die Frage „Wie entstehen menschliche Fähigkeiten wie z.B. Wahrnehmung, Moral, Emotionale Intelligenz, Ich-Struktur?“ etc.. Dabei haben sie kulturübergreifende Muster festgestellt, (s. auch Lernstufen der Gewaltfreien Kommunikation), die man für ein integrales, d.h. möglichst umfassendes Verständnis von Konflikten berücksichtigen sollte.
Mehr



Letzte Kommentare