Gewalt

Die empathische Zivilisation, Jeremy Rifkin

IJeremy Rifkin, Die empathische  Zivilisationch lese gerade die „Die empathische Zivilisation“ von Jeremin Rifkin . Das Buch hat sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen, von verhalten anerkennend (Suttgarter Zeitung) bis hin zu offen ablehnend oder polemisch (Die Welt, FAZ). Mich interessiert das Thema Empathie natürlich berufsmäßig, und eine „empathische Zivilsation“ klingt in meinen Ohren erst mal schön… zu schön um wahr zu sein?

Das erste Kapitel „Homo empathicus“ hat mich auf jeden Fall gefesselt, die Beschreibung der „Geschichte der Menschheit, die nie erzählt wurde“ (also die Geschichte der Empathie) ist eingängig und mit interessanten Beispielen beschrieben. Wer weiß schon, dass selbst Ratten mitfühlend sind? Ja, sind sie, nachzulesen auf Seite 81. Mal sehen, wie es weitergeht, ich werde berichten…

Hat es jemand schon gelesen? Ich freue mich über Kommentare.

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Mobbing gegen deutsche Schüler Video

Das Video ist traurig und erschütternd. Da ich gerade selbst in einem "Mobbing"-Fall an einem Gymnasium als Mediator tätig bin, sehe ich einige Parallelen:

  • Die Kinder/Jugendlichen sind ein Spiegel ihrer Eltern / der Gesellschaft. Wie auch Jesper Juul immer wieder betont: Wenn wir den Kindern Gewalt antun, indem wir ihre grundlegenden Bedürfnisse negieren (z.B. Autonomie, Gehört-Werden, Schutz vor Gewalt), dann kommt diese Gewalt zurück.
  • Die Kinder/Jugendlichen spiegeln das Wertesystem ihrer Eltern. Dogmatische Intoleranz gegenüber "Andersgläubigen" schafft Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Dies ist nicht "schlecht", Entwicklungspsychologisch ist es eine "normale" Stufe z.B. auch bei Kindern. Wenn eine ganze Kultur dies lebt, hat dies auch seinen Sinn. Das heißt NICHT, dass die "modernen" Werte nach Toleranz, Gleichberechtigung etc. diese Intoleranz dulden sollten – aber verstehen und integrieren. Dagegen kämpfen / ausschließen / kriminalisieren etc. hilft erfahrungsgemäß nicht. Klare Grenzen und Empathie dagegen schon.
  • Diese klaren Grenzen und Empathie müssen von den Erwachsenen, den Lehrern etc. kommen. Das kann man (noch) nicht von den Kindern erwarten.An der Schule erlebe ich, dass die Kinder sogar selbst sehen, dass ihr Handeln andern schadet, und dass sie das "eigentlich" nicht wollen, aber sie finden selbst keinen Weg aus der Eskalationsspirale. Ich denke, es ist die Aufgabe der "Großen" diese Führung und Struktur anzubieten, die Kinder "rufen" danach.

Mobbing gegen deutsche Schüler Video – sevenload

Link: Mobbing gegen deutsche Schüler

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Amoklauf in Winnenden – vermeidbare Eskalation von Gewalt?

Der Amoklauf des jugendlichen Schülers in Winnenden hinterlässt 16 Tote, tiefe Trauer bei den Angehörigen und Fassungslosigkeit bei uns allen. Niemand kann für den Schmerz die passenden Worte des Trosts finden – wir möchten an dieser Stelle unser tiefes Mitgefühl ausdrücken.

Eine Amoklauf hinterlässt die immer gleichen Fragen:
Was bringt jemand zu einer solchen Tat?
Wie kann man eine solche Tat verhindern?
Die erste Frage ist nicht mehr zu beantworten, der Täter ist selbst zum Opfer geworden.

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Ausbildungsgruppe Gewaltfreie Kommunikation – noch wenige Plätze frei

Die Ausbildung richtet sich an alle, die sich vertieft mit der Gewaltfreien Kommunikation beschäftigen und die damit verbundene Haltung in ihr Leben integrieren möchten.

Unser Ansatz ist es, mit der Gewaltfreien Kommunikation eine authentische, bedürfnisorientierte Kommunikation zu vermitteln. Gewaltfreie Kommunikation heißt, Kontakt zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen zu finden und aus dieser Haltung heraus kraftvoll und klar zu kommunizieren. Das bedeutet, ehrlich statt „nett“ zu sein oder „richtig gewaltfrei“ zu sprechen, sondern aufrichtig zu sein im Selbstausdruck und offen für empathischen Kontakt und Klärung.

Unser Ausbildungsstil ist teilnehmer- und prozessorientiert. Die lebendige Praxis ist uns ebenso wichtig wie die Vermittlung theoretischer Inhalte. Im Plenum und in Kleingruppen arbeiten wir mit den Anliegen, Themen und inneren wie äußeren Konflikten der TeilnehmerInnen. Dazu gehört die Arbeit mit behindernden Glaubenssätzen und Verhaltensmustern ebenso wie die Arbeit im Plenum, um Gruppenprozesse im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation zu klären.

Ein wichtiges Anliegen ist es uns, mit der Ausbildungsgruppe den gewaltfreien sozialen Wandel zu leben, der Ausdruck der Vision der Gewaltfreien Kommunikation ist.

Kennenlern-Wochenende: 21.-23. November in Utting am Ammersee – Wir freuen uns Dich dort zu treffen!

Details und Anmeldeunterlagen hier

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Gewalt, Strafe und Gewaltfreie Kommunikation

Empathie verhindert Gewalt

In der Ausgabe von „Geo-Wissen“ zum Thema Verhalten, Persönlichkeit, Psyche  findet sich ein lesenswerter Artikel zur Aggressionsforschung beim Menschen. Der finnische Aggressionsforscher Björkqvist wird darin mit der (mittlerweile wohl nachgewiesenen) Hypothese zitiert, dass die Fähigkeit zur Empathie ein entscheidender Faktor bei der Ausübung oder eben Nicht-Ausübung von Gewalt unter Menschen ist. Menschen, die eine geringe Empathiefähigkeit besitzen neigen schneller zum Einsatz verbaler und körperlicher Gewalt, weil sie sich schlicht nicht vorstellen können, dass das weh tun kann.

Der Grund für meinen Kommentar dazu ist nicht diese Einsicht, sondern die Konsequenz die (leider) wieder mal daraus gefolgert wird. Da der „Täter“ nicht fühlt, dass seine Tat schmerzlich für das „Opfer“ ist, soll er dies lernen, indem er sich entschuldigt. Dann werden z.B. „Entschuldigungstage“ eingeführt, in der Hoffnung, dass damit alles gut wird.

Entschuldigung ist keine Lösung

Das Gewaltpräventionsprogramm von Herrn Björkqvist kommt also, wie leider die allermeisten Konflikt-/Gewaltprogramme, nicht um das Thema „Schuld“ herum. Wer glaubt, dass Täter, die sich „schuldig“ fühlen, dann weniger gewalttätig sind, dem empfehle ich das Buch „Violence„  vonJames  Gilligan. Gilligan hat Hunderte von Tiefeninterviews mit den härtesten Gewaltverbrechern in den USA geführt und sein Ergebnis war schlicht und ergreifend: Diese Täter begehen ihre Tat WEIL sie sich schuldig fühlen und schämen!

Das Selbstwertgefühl dieser Menschen ist so gering und Schmerz darüber so tief, dass sie wahrscheinlich aus einer seelischen Schutzfunktion heraus überhaupt keine Empathie mehr haben, auch nicht für sich selbst (daher verstümmeln sich Tausende von Gefangenen in den amerikanischen Gefängnissen, um endlich wenigstens Schmerz zu fühlen).

Gewaltprävention durch Empathie -  oder gewaltfreie Gefängnisse

Vergessen wir das Konzept von Schuld! Wem soll es helfen, wenn der Täter“ schuld“ ist? Die Empathiefähigkeit ist der entscheidende Punkt. Gewalttäter müssen, um wieder zu sozialen Wesen zu werden, Empathie neu lernen. Was wir brauchen sind gewaltfreie Gefängnisse, in denen Gewalttäter menschlich behandelt werden, Empathie bekommen und Unterstützung erhalten, um neue, gewaltfreie Strategien für ihre Bedürfnisse zu finden. Das ist die Vorgehensweise bei den Gefängnissen, die das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg umsetzen. Und falls das nicht (mehr) funktioniert, dann kann und muß man diese Menschen liebevoll von der Gesellschaft fern halten, um uns und sie selbst (vor sich) zuschützen.

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Könnten Sie mal Gewalt definieren?

Dies fragte Oliver Heuler in seinem Kommentar auf den Beitrag „Integral trifft Gewaltfrei“.

Das ist die Art von Fragen, die mich als Trainer im Seminar erst Mal ins Schwitzen bringen… Hier habe ich ja das Glück, ein bißchen nachdenken zu können bevor ich den Mund aufmache bzw. in die Tasten tippe. (Ich weiß, manche meinen, das würde auch im Seminar manchmal nicht schaden, aber das ist eine andere Geschichte…Smilie by Smilieomania).

Spaß beiseite, mein bestes Verständnis zu dieser Frage ist Folgendes:

Die Vision des Centers for Nonviolent Communication (Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation, USA) und damit eine Art Definition von „Gewalt-frei“ lautet: „A world where everybodys needs are valued.“ („Eine Welt, in der die Bedürfnisse aller zählen.“)

(Anmerkung: Dies ist nicht der genaue Wortlaut auf der Homepage des CNVC – dort heißt es noch „a world where all people get their needs met peacefully…“ Aus verschiedenen Gesprächen mit langjährigen CNVC-TrainerInnen und mit Marshall Rosenberg wird deutlich, dass sich die Definition in Richtung „everybodys needs are valued“ entwickelt hat.)

Aus diesem Verständnis heraus hieße die Definition von Gewalt: „Gewalt(tätig) ist eine Intention/Absicht, die nicht die Bedürfnisse aller anerkennt/wertschätzt.“

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Moral des Altruismus – ein Kommentar von Oliver Heuler

Oliver Heuler , Papa eines „unerzogenen Anarchisten“ hat meinen Beitrag „Integral trifft Gewaltfrei“ kommentiert.

Da erfahrungsgemäß Kommentare im Blog etwas untergehen bzw. übersehen werden und ich diesen lesenswert finde, stelle ich ihn hier noch mal als extra Beitrag ein. Auf die Bitte von Herrn Heuler möchte ich in einem der nächsten Beiträge eingehen – denn „Was ist eigentlich Gewalt?“ ist ja für uns „Gewaltfreie Kommunikatoren“ eine nicht ganz unwichtige Frage, oder?

Hier also der Beitrag von Oliver Heuler:

„Ich finde es interessant, dass Rosenberg einerseits so nachdrücklich gegen das Wort »sollte« argumentiert wie auch gegen die Dichotomien gut – schlecht, richtig – falsch, krank – gesund und so weiter — und sich andererseits bewusst ist, dass die Haltung des Nicht-Bewertens selbstwidersprüchlich ist.

Das Wort »sollte« und die Dichotomien sind doch einfach nur Signalwörter, die zeigen, dass man über eine Moral spricht. Klar, wenn ich eine Bitte an einen anderen habe, dann ist es nicht hilfreich, ihm vorab eine Kritik zu servieren (»Dein Verhalten war falsch, schlecht und böse«), sondern mit einer möglichst objektiven Beobachtung zu beginnen.

Aber wir können nicht auf eine Moral und damit Hierarchien verzichten: Gewaltfrei kommunizieren ist z.B. besser als morden. Man unterhält sich ja auch bisweilen über allgemeine Prinzipien. Ich habe also keine Bitte an einen Menschen, sondern unterhalte mich nur über allgemeine Fragen der Ethik. Was spricht gegen die Aussage: »Man sollte einfühlsam sein« oder »Man soll nicht stehlen, morden und so weiter« oder »Ich finde es gut, wenn die Menschen gegen den Krieg demonstrieren.« Ist das so viel anders als »Wenn ich sehe, wie diese Menschen gegen den Krieg demonstrieren, macht mich das glücklich, weil mein Bedürfnis nach Frieden und Harmonie befriedigt ist«?

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Integral trifft Gewaltfrei…

Witzig – kaum schreibe ich einen Beitrag zum Thema „Lernstufen“, da stolpere ich über den Blog von Steve McIntosh, Autor von „Integral Consciousness“, der von seinem Zusammentreffen mit einem Anhänger der Gewaltfreien Kommunikation berichtet.

Blog of Steve McIntosh, author of Integral Consciousness: The First Leg of My Book Tour. Er schreibt,
„At one New Age bookstore talk I received a comment that the philosophical idea of “the good” did not comport with the principles of “non-violent communication.” The questioner even quoted Rumi as inviting us to “meet in a place beyond good and evil.” My polite response was that the integral philosophy of evolution is chiefly concerned with the improvement of the human condition, and that it effectively transcends the “black and white” conceptions of good and evil characteristic of the traditional level. Nevertheless, I emphasized that the idea of “the good” is a very important concept that we need to hold onto, even as we recognize this value’s dialectical metamorphosis through the growth of the spiral of development.“

[Übersetzung Markus: „Während eines Gesprächs in einem New-Age-Buchladen meinte jemand, dass sich die philosophische Idee des „Guten“ nicht mit den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation“ vertrage. Der/die Fragende hat auch noch Rumi zitiert, der uns einlade „sich an dem Ort jenseits von Gut und Böse zu treffen“. Meine höfliche Antwort war, dass die integrale Philosophie der Evolution ernsthaft an der Verbesserung der menschlichen Bedingungen interessiert ist, und dass sie tatsächlich die „schwarz-weiß“-Konzepte von Gut und Böse transzendiert, die traditionelle Ebenen auszeichnen. Ich betonte, dass die Idee des „Guten“ dennoch ein sehr wichtiges Konzept ist, dass wir festhalten sollten, auch wenn wir erkennen, wie sich die Werte dialektisch wandeln während des Wachstums auf der Entwicklungsspirale.“]

Dazu ließe sich Vieles sagen, hier nur Folgendes: Die Gewaltfreie Kommunikation ist nicht, noch einmal, nicht wert- oder bewertungsfrei! Um unsere Bedürfnisse als erfüllt / unerfüllt zu bemerken müssen wir die Realität a) wahrnehmen und b) ein Urteil fällen, d.h. die Realität bewerten (ob sie unsere Bedürfnisse erfüllt / oder eben nicht).

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