Konfliktkosten und -gewinne in Organisationen – Teil 1
Ein gern angeführtes Argument für Mediation in Organisationen sind die durch Konflikte verursachten Kosten, die man vermeiden könne. Der Begriff „Konfliktkosten“ ist dabei an sich falsch, betriebswirtschaftlich sind Kosten Ausgaben für die in der Produktion eingesetzten Ressourcen. Niemand kauft Konflikte ein… es müsste daher eher Konflikteinbußen heißen, aber egal, es klingt eingängig und so bleibe ich beim Begriff Konfliktkosten.
Ich möchte hier einerseits einen Überblick über die mir bekannten deutschsprachigen Studien zu diesem Thema bieten, und zum anderen die Diskussion darüber anregen. Vor allem Berater und Mediatoren behaupten ja gerne, „Konflikte haben einen Sinn“. Kann es sein, dass Konflikte nicht nur unerwünschte Einbußen „produzieren“, sondern auch „Gewinne“? Aber erst mal zu den Konfliktkosten in Unternehmen…
MehrStudie „Konflikte im Unternehmensalltag“
Die Unternehmensberatung 11drei hat einen Zwischenbericht ihrer Studie „Konflikte im Unternehmensalltag“ ins Netz gestellt. Hier gibt es die Pressemitteilung, die einen ganz guten Überblick bietet. Erstaunlich finde ich den hohen Bekanntheitsgrad der Mediation (85% der Mitarbeiterinnen), aber nur 9% waren schon mal an einer Mediation beteiligt.
Unmittelbare Konfliktfolgen laut der Studie:
- 10 – 15% der Arbeitszeit werden für Konfliktbewältigung verbraucht
- 30 – 50% der wöchentlichen Arbeitszeit von Führungskräften werden direkt oder indirekt mit Reibungsverlusten, Konflikten oder Konfliktfolgen verbracht
- 1% der Mitarbeiterkosten gehen p.a. für unverarbeitete Konflikte verloren
Also, es gibt genug zu tun…
MehrMediation auf dem Vormarsch…
… behauptet die Süddeutsche Zeitung in diesem Artikel. Diese positive Sicht auf die Mediation stammt von Christine Lewetz, Abteilungsleiterin im Leistungsmanagement Rechtsschutz bei der Rechtsschutzversicherung D.A.S. Die Rechtsschutzversicherung hat vermutlich weniger einen tiefgreifenden Bewusstseinswandel im Blick, sondern hofft auf geringere Kosten im Mediationsverfahren. Denn, so Christine Lewetz, „mehr als zwei Drittel unserer Mediationen sind erfolgreich und wirken nachhaltig.“
MehrKonflikte kosten Geld – aber wieviel?
Das Konflikte in Unternehmen Geld kosten mag eine Binsenweisheit sein – vielen Führungskräften und ManagerInnen scheint aber nicht klar zu sein wie hoch die Gewinneinbußen durch ungelöste, „kalte“ oder schwelende Konflikte sein können. Um es auf den Punkt zu bringen: Je nach Größe eines Unternehmens können eskalierende Konflikte ein entscheidender Faktor für das wirtschaftliche Aus, den Konkurs sein! Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben meist keinen finanziellen Puffer, um erheblichen Personalschwund oder Motivationseinbrüche bei ihren Mitarbeiterinnen und Führungskräften aufzufangen.
Auch wenn dieser Zusammenhang mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar ist, scheinen manche UnternehmerInnen nach „klaren Zahlen“ zu verlangen, was Mediation denn nun bringt (was man getrost als Ausrede werten kann, die schwelenden Konflikte noch einen Weile unter dem Teppich zu lassen).
Dank der Arbeit von Dr. jur. Detlev Berning, Mediator BM und Steuerberater, können wir MediatorInnen nun mit harten Fakten aufweisen, wenn es um die indirekten Kosten eines Konflikts geht. Anhand zweier Fälle aus seiner Beratungspraxis als Steuerberater hat Detlev Berning die (indirekten) Konfliktkosten berechnet und kommt dabei bspw. für eine Anwaltskanzlei mit 4 Partner mit gut 400.000 Euro Gewinn/Jahr auf Konfliktkosten von 280.000 Euro (schon richtig gelesen, 280 Tausend Euro!). Dieser Verlust führte dann auch innerhalb kurzem zur Auflösung der Kanzlei.
Ein zweites Beispiel für ein mittelständisches IT-Unternehmen (1,2 Millionen Gewinn im Jahr) kommt auf indirekte Konfliktkosten von über 1 Million Euro! Der drastische konfliktbedingte Verlust führte schließlich dazu, dass die Hausbank die Finanzierung einstellte, das Unternehmen befindet sich derzeit in einer radikalen Umstrukturierung.
Gute Gründe also für uns MediatorInnen, selbstbewußt auf Unternehmen zuzugehen und unsere Dienstleistung zu angemessenen Preisen anzubieten, oder nicht?
Hier geht´s zum Artikel von Detlev Berning - nochmals Hochachtung vor dieser Pionierarbeit.
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