Werte

Richtig reich werden – Selbständigkeit aus integraler Sicht – Teil 3

Bisher habe ich das Thema in Teil 1 und Teil 2 aus Sicht der individuellen Perspektiven beschrieben – den beiden „oberen Quadranten“ des 4-Quadranten-Modells von Ken Wilber. Manche fragen sich vielleicht: Warum braucht es noch mehr, wenn doch „alles was ist“ entweder „innerhalb“ oder „außerhalb“ von mir stattfindet?

Gegenfrage: Zeigst du im Beisein eines Fremden, eines Freundes, deines Partners/deiner Partnerin immer das gleiche Verhalten? Denkst und fühlst du das Gleiche? Wahrscheinlich nicht. Wir sind nicht völlig unabhängig von unserer Umgebung. Die Systemtheorie lehrt uns, dass Menschen in einer Gruppe neue  Verhaltensweisen zeigen, die sich nicht allein aus den bekannten individuellen Eigenschaften erklären lassen. Wir sind soziale Wesen, wir sind auch (aber nicht nur) abhängig von und werden beeinflusst durch andere Menschen.

Mehr

Gewaltfreie Kommunikation für die Ohren – Podcast Nr. 2

Ist „Bewerten verboten in der Gewaltfreien Kommunikation“? Ist „Gleichwertigkeit“ nun ein Bedürfnis oder ein Wert? Diese Fragen beschäftigen Gerhard Rothhaupt und mich im Podcast Nr. 2.

Viel Spaß bei 30 Minuten mit der Frage „Bewerten und Gleichwertigkeit in der Gewaltfreien Kommunikation“

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Für langsame Internetverbindungen hier noch eine kleinere Version ohne Jingle.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

(Falls die Datei beim Abspielen „mickeymaus-mäßig“ klingt – dies ist ein Fehler, der leider manchmal auftritt – dann die Datei einfach herunterladen und z.B. im Mediaplayer o.ä. abspielen. Falls jemand Abhilfe weiß, bin ich für Hinweise dankbar.)

Hier die der Podcast als Download in der normalen und kurzen Version. Einfach „Klick“ mit rechter Maustaste, „Ziel speichern unter…“ – für den MP3-Player oder zum Brennen.

Mehr

Organisationen haben keine Bedürfnisse

…. zumindest nicht in dem Sinne, wie ich Bedürfnisse in der Gewaltfreien Kommunikation verstehe. In Diskussionen über Fragen der Organisationsentwicklung sprechen wir manchmal davon, dass auch ein Unternehmen „Bedürfnisse“ wie z.B. Existenz, Sicherheit, Anerkennung etc. habe.

Es geht schnell von den Lippen bei Teams, Organisationen und Unternehmen oder gar bei ganzen Ländern mit der gleichen Selbstverständlichkeit von deren „Bedürfnissen“ zu sprechen wie bei individuellen Menschen. In einem allgemeinen Sinne halte ich dies auch für opportun, z.B. wenn wir sagen, eine Firma „möchte überleben“ und damit meinen, „alle Menschen, die in dieser Firma arbeiten, möchten (gut) leben“. Ich halte es jedoch für methodisch unsauber und vor allem für potentiell gefährlich, wenn wir glauben, Gruppen von Menschen, Organisationen oder gar Länder hätten im gleichen Sinne Bedürfnisse wie Individuen.

Mehr

Wie ein integrales Konfliktverständnis zu Frieden und Verständigung beitragen kann – Teil II

In Integrales Konfliktverständnis Teil I habe ich am Beispiel „Jugendgewalt“ dargestellt wie eine integrale Sichtweise auf dieses komplexe Problem angewendet werden kann. Die Einbeziehung der vier Perspektiven „Individuell/Kollektiv“ und „Subjektiv/Objektiv“ (in der integralen Theorie auch Vier Quadranten genannt) hilft dabei, wesentliche Konflikt- und Lösungsaspekte zu berücksichtigen bzw. vermeidet es, Teilwahrheiten überzubewerten.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Integralen Theorie, und Thema dieses zweiten Teils, ist die Betrachtung von Wachstum und Entwicklung in einer gesunden, natürlichen Abfolge (Hierarchie der Entwicklungsstufen).

Menschen entwickeln sich…

Menschen entwickeln sich, individuell und kollektiv, innerlich und äußerlich (4 Quadranten). Aber, und das ist entscheidend, Menschen entwickeln sich anscheinend nicht beliebig, sondern es gibt so etwas wie grundlegende, stabile und universelle Wachstumsstrukturen. Zahlreiche ForscherInnen untersuchten die Frage „Wie entstehen menschliche Fähigkeiten wie z.B. Wahrnehmung, Moral, Emotionale Intelligenz, Ich-Struktur?“ etc.. Dabei haben sie kulturübergreifende Muster festgestellt, (s. auch Lernstufen der Gewaltfreien Kommunikation), die man für ein integrales, d.h. möglichst umfassendes Verständnis von Konflikten berücksichtigen sollte.

Mehr

Könnten Sie mal Gewalt definieren?

Dies fragte Oliver Heuler in seinem Kommentar auf den Beitrag „Integral trifft Gewaltfrei“.

Das ist die Art von Fragen, die mich als Trainer im Seminar erst Mal ins Schwitzen bringen… Hier habe ich ja das Glück, ein bißchen nachdenken zu können bevor ich den Mund aufmache bzw. in die Tasten tippe. (Ich weiß, manche meinen, das würde auch im Seminar manchmal nicht schaden, aber das ist eine andere Geschichte…Smilie by Smilieomania).

Spaß beiseite, mein bestes Verständnis zu dieser Frage ist Folgendes:

Die Vision des Centers for Nonviolent Communication (Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation, USA) und damit eine Art Definition von „Gewalt-frei“ lautet: „A world where everybodys needs are valued.“ („Eine Welt, in der die Bedürfnisse aller zählen.“)

(Anmerkung: Dies ist nicht der genaue Wortlaut auf der Homepage des CNVC – dort heißt es noch „a world where all people get their needs met peacefully…“ Aus verschiedenen Gesprächen mit langjährigen CNVC-TrainerInnen und mit Marshall Rosenberg wird deutlich, dass sich die Definition in Richtung „everybodys needs are valued“ entwickelt hat.)

Aus diesem Verständnis heraus hieße die Definition von Gewalt: „Gewalt(tätig) ist eine Intention/Absicht, die nicht die Bedürfnisse aller anerkennt/wertschätzt.“

Mehr

Moral des Altruismus – ein Kommentar von Oliver Heuler

Oliver Heuler , Papa eines „unerzogenen Anarchisten“ hat meinen Beitrag „Integral trifft Gewaltfrei“ kommentiert.

Da erfahrungsgemäß Kommentare im Blog etwas untergehen bzw. übersehen werden und ich diesen lesenswert finde, stelle ich ihn hier noch mal als extra Beitrag ein. Auf die Bitte von Herrn Heuler möchte ich in einem der nächsten Beiträge eingehen – denn „Was ist eigentlich Gewalt?“ ist ja für uns „Gewaltfreie Kommunikatoren“ eine nicht ganz unwichtige Frage, oder?

Hier also der Beitrag von Oliver Heuler:

„Ich finde es interessant, dass Rosenberg einerseits so nachdrücklich gegen das Wort »sollte« argumentiert wie auch gegen die Dichotomien gut – schlecht, richtig – falsch, krank – gesund und so weiter — und sich andererseits bewusst ist, dass die Haltung des Nicht-Bewertens selbstwidersprüchlich ist.

Das Wort »sollte« und die Dichotomien sind doch einfach nur Signalwörter, die zeigen, dass man über eine Moral spricht. Klar, wenn ich eine Bitte an einen anderen habe, dann ist es nicht hilfreich, ihm vorab eine Kritik zu servieren (»Dein Verhalten war falsch, schlecht und böse«), sondern mit einer möglichst objektiven Beobachtung zu beginnen.

Aber wir können nicht auf eine Moral und damit Hierarchien verzichten: Gewaltfrei kommunizieren ist z.B. besser als morden. Man unterhält sich ja auch bisweilen über allgemeine Prinzipien. Ich habe also keine Bitte an einen Menschen, sondern unterhalte mich nur über allgemeine Fragen der Ethik. Was spricht gegen die Aussage: »Man sollte einfühlsam sein« oder »Man soll nicht stehlen, morden und so weiter« oder »Ich finde es gut, wenn die Menschen gegen den Krieg demonstrieren.« Ist das so viel anders als »Wenn ich sehe, wie diese Menschen gegen den Krieg demonstrieren, macht mich das glücklich, weil mein Bedürfnis nach Frieden und Harmonie befriedigt ist«?

Mehr

Integral trifft Gewaltfrei…

Witzig – kaum schreibe ich einen Beitrag zum Thema „Lernstufen“, da stolpere ich über den Blog von Steve McIntosh, Autor von „Integral Consciousness“, der von seinem Zusammentreffen mit einem Anhänger der Gewaltfreien Kommunikation berichtet.

Blog of Steve McIntosh, author of Integral Consciousness: The First Leg of My Book Tour. Er schreibt,
„At one New Age bookstore talk I received a comment that the philosophical idea of “the good” did not comport with the principles of “non-violent communication.” The questioner even quoted Rumi as inviting us to “meet in a place beyond good and evil.” My polite response was that the integral philosophy of evolution is chiefly concerned with the improvement of the human condition, and that it effectively transcends the “black and white” conceptions of good and evil characteristic of the traditional level. Nevertheless, I emphasized that the idea of “the good” is a very important concept that we need to hold onto, even as we recognize this value’s dialectical metamorphosis through the growth of the spiral of development.“

[Übersetzung Markus: „Während eines Gesprächs in einem New-Age-Buchladen meinte jemand, dass sich die philosophische Idee des „Guten“ nicht mit den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation“ vertrage. Der/die Fragende hat auch noch Rumi zitiert, der uns einlade „sich an dem Ort jenseits von Gut und Böse zu treffen“. Meine höfliche Antwort war, dass die integrale Philosophie der Evolution ernsthaft an der Verbesserung der menschlichen Bedingungen interessiert ist, und dass sie tatsächlich die „schwarz-weiß“-Konzepte von Gut und Böse transzendiert, die traditionelle Ebenen auszeichnen. Ich betonte, dass die Idee des „Guten“ dennoch ein sehr wichtiges Konzept ist, dass wir festhalten sollten, auch wenn wir erkennen, wie sich die Werte dialektisch wandeln während des Wachstums auf der Entwicklungsspirale.“]

Dazu ließe sich Vieles sagen, hier nur Folgendes: Die Gewaltfreie Kommunikation ist nicht, noch einmal, nicht wert- oder bewertungsfrei! Um unsere Bedürfnisse als erfüllt / unerfüllt zu bemerken müssen wir die Realität a) wahrnehmen und b) ein Urteil fällen, d.h. die Realität bewerten (ob sie unsere Bedürfnisse erfüllt / oder eben nicht).

Mehr

Lernstufen in der Gewaltfreien Kommunikation

Mit Lern- und Entwicklungsstufen tun sich viele Anhänger der Gewaltfreien Kommunikation als typische Vertreter „grüner“, egalitärer Werte (Spiral Dynamics) im allgemeinen schwer. Die Einsicht, dass Menschen in Bezug auf bestimmte Fähigkeiten nicht „gleich“ sind, ist zwar eigentlich banal (wer würde schon gerne seine Magen-Operation von einem KFZ-Meister durchführen lassen?), aber wenn es um kommunikative Fähigkeiten geht, scheint dies wieder in Vergessenheit zu geraten.Die Betonung der Gleichheit aller Menschen auf der Ebene der Bedürfnisse (die ich teile), wird also so wohltuend und berührend erfahren, dass der Blick auf die Unterschiedlichkeit der Menschen als eine (zu) schmerzhafte „Trennung“ erlebt und lieber vermieden wird.

Meiner Meinung nach hilft hier die Unterscheidung von „Verhalten“ und „Sein“. Auf Seins-Ebene sind wir Menschen alle gleich, gleich wertvoll, gleich schön, alle göttliche Verkörperungen des „Einen Geists“.
Auf Verhaltensebene sind wir unterschiedlich und manchmal sogar einzigartig. Hier kommt die Individualität jedes einzelnen ans Licht der Welt. Ein kompetenter Mediziner kann Leben retten – aber kein Auto reparieren.

Mehr